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Die Künstlerin Jane Korman hat es mit ihrem 89-jährigen Vater gedreht. Erwartungsgemäß hat das Video etliche Kommentare provoziert, entrüstete, hasserfüllte, aber auch viele enthusiastische. Lässt man den Holocaust-leugnenden Abschaum beiseite, bleibt der nachvollziehbare Einwand, dass man nicht auf den Gräbern der Millionen Nazi-Opfer tanzen sollte, die eben nicht überlebt haben.
Aber kann das Recht auf Ausdruck, das Adorno dem Leiden zugesteht, sich nicht ebenso in einer trotzigen Feier des Lebens äußern? Und was würde sich dazu besser eignen, als ein derart abgenudeltes, gänzlich in den Alltag diffundiertes Lied wie „I Will Survive“? Ein Stück, das in zehntausend Party-Einsätzen restlos sinnentlehrt wurde - und das jetzt in der Freude eines Mannes, der seinen Möchtegern-Henkern die nachfolgenden Generationen präsentiert, die durch ihn überlebt haben, eine ungeahnte, erschütternde Würde erfährt.
Christian Bos

Bitte habt Verständnis dafür, dass der Film keine Steueroberfläche besitzt. Dies schützt mich ein wenig vor Problemen mit dem Urheberrecht. .

Dancing in Auschwitz

Das Bewegendste, was mir seit Längerem untergekommen ist und nachdenkenswert. Ein Holocaust-Überlebender, seine Tochter und Enkelkinder tanzen auf dem Gelände des Konzentrationslagers Auschwitz zu Gloria Gaynors "I Will Survive". Ein wahres kleines Juwel des Sieges des Lebens über Tod und Vernichtung. Hier wird Tot, Grauen und Unfassbares lebensbejahend verarbeitet.

Viele von Euch haben inzwischen bemerkt, dass der Videoclip „Dancing in ausschwitz“ von You Tube aus dem Netz genommen worden ist. Die Löschung erfolgte weil die Rechte für den Liedtitel „I will survive“ nicht für eine Veröffentlichung im Netz bestanden. Da er aber inzwischen über ½ Million Aufrufe verbucht und die Diskussion über das Gedenken des Holocaust auf eigene Weise neu entfacht hat, habe ich mich, wie viele andere auch, dazu entschlossen ihn auf dem eigenen Server zu spiegeln, da er inzwischen einen hohen Nachrichtenwert besitzt. Hier kann es doch nicht um Musikrechte gehen, dass ist Geschichte. Ein kleiner aber ergreifender historischer Moment.

Insbesondere, da die „rechte Szene“ darauf mit ihren Kommentaren („Der Jude tanzt nicht mehr..“), diese Löschung bei Youtube als eigenen Erfolg propagieren.  Damit ihr zu eurem Recht kommt, euch dennoch eine eigene Meinung bilden zu können, hier nun das Video für alle.

Robert Kathmann

Ansonsten drückt es der
Kommentar des Kölner Stadtanzeigers von Christian Bos
vom  13. Juli 2010 für mich am besten aus:

Seinen berühmten Ausspruch, nach Auschwitz ein Gedicht zu schreiben sei barbarisch, hat Theodor Adorno später widerrufen. Das ausdauernde Leiden habe soviel Recht auf Ausdruck, wie der Gemarterte das Recht zu brüllen habe. Aber was hätte Adorno wohl zu jenem auf Youtube hochgeladenen Video befunden, das man auf der Videoplattform unter der Überschrift „Dancing Auschwitz“ findet. Der vierminütige Clip zeigt einen nach Australien ausgewanderten Holocaust-Überlebenden mit seiner Tochter und drei Enkeln vor den ehemaligen Todeslagern Auschwitz, Theresienstadt und Dachau. Der alte Mann und seine Familie tragen weiße T-Shirts auf denen schwarz das Wort „Überlebender“ prangt, in anderen Szenen haben sie sich sogar gelbe Judensterne auf ihre Hemden genäht. Immer aber tanzen sie in lässiger Choreographie zu Gloria Gaynors Disco-Hymne „I Will Survive“.

Klammer